Rabenau Odenhausen

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Dorferneuerung Odenhausen

 (Video über die Dorferneuerung: https://www.youtube.com/watch?v=eJyw5vBYBto)


Im Jahr 2006 beantragte die Gemeinde Rabenau beim Land Hessen die Aufnahme eines Ortsteils in das Dorferneuerungsprogramm. Es ging dabei um die Ortsteile Rüddingshausen und Odenhausen. In einem Auswahlverfahren konnte sich Odenhausen durchsetzen. Durch Bürgerversammlungen in beiden Dörfern wurde in Odenhausen ein größeres Interesse bei der Bevölkerung feststellbar. Folglich kam Odenhausen in das Förderprogramm, nachdem der Ortsbeirat Odenhausen und die Gemeindevertretung Rabenau ebenfalls einstimmig dafür votierten.


Um einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten und begleitend umzusetzen wurde der Arbeitskreis „Dorferneuerung Odenhausen“ ins Leben gerufen. Jeder Einwohner von Odenhausen hatte die Möglichkeit im Arbeitskreis mitzuarbeiten. Es begann eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit den Ing. Büros, der Gemeinde und dem Amt „für den ländlichen Raum“ (Landesbehörde in Wetzlar).


Als Bindeglied zwischen dem Arbeitskreis, den Behörden und der Gemeinde wurden - unter Vorsitz von Jürgen Bender - Jörg Kupfer und Günter Krug als weitere Sprecher für den Arbeitskreis gewählt. In vielen leidenschaftlich geführten Sitzungen über den gesamten Laufzeitmodus der Dorferneuerung (10 Jahre), wobei auch konträre Ansichten zwischen dem Arbeitskreis und den Behörden demokratisch ausgefochten wurden, kam es zu guten Ergebnissen in Bezug auf die umsetzungsfähigen Maßnahmen.


  1. Ausbau des Feldweges entlang der Appenborn mit einer wassergebundenen Decke zwischen Odenhausen und Appenborn (aus 100% Eigenmitteln, Jagdgenossenschaft).
  2. Errichtung eines Bolz- und Spielplatzes mit Fußballtoren und Torwand, einer Seilbahn sowie einer Tischtennisplatte und einer Sitzgruppe. Die Alu Tore, die Torwand und eine Linde wurden gespendet. Die Linde wurde von den Dorfkindern und deren Eltern zum Auftakt und zur Erinnerung an die Dorferneuerung gepflanzt. Vier weitere Linden, eine Hainbuchenhecke und einen Zaun pflanzten und bauten die Mitglieder des Arbeitskreises.
  3. Errichtung eines „Gastronomischen Treffpunkts“ mit Biergarten (Gleis 1). Die dazugehörige Behindertengerechte Toilette ist im Erdgeschoss des ehemaligen Schulhauses untergebracht. Bepflanzung und Gestaltung der Außenanlage wurde in Eigenleistung erbracht, dazu gehörte auch die Neugestaltung der Gedenkstätte (Fliegerangriff auf den Personenzug in 1944).
  4. Erneuerung der Hofbefestigung mit Verbundsteinpflaster und Treppenaufgang zum DGH.
  5. Der ehemalige Standort des Backhauses bzw. ehemaliges Anwesen von Karl Bott ist von Bauschutt beräumt und zu einem kleinen Bauerngarten mit Vorplatz, Brunnen und Sitzgruppe gebaut worden. Die Bepflanzung, das Aufstellen der Sitzgruppe, Anbringen des Rosenrankgitters und die Bepflanzung des Gartens wurden in Eigenregie durchgeführt. Der metallene Brunnenaufsatz und ein Teil der Bepflanzung, sowie das Rankgitter sind aus Spendengeldern bezahlt worden. Die Pflege des Backhausgartens wird ohne konkrete Verbindlichkeit von einigen Frauen aus dem Dorf geleistet. Diese ehrenamtliche Tätigkeit geschieht mit viel Liebe zum Detail und endet meist in geselliger Runde. Der Name BACKHAUSGARTEN ergab sich aus einem Namensfindungsprozess innerhalb des Arbeitskreises - zur Erinnerung an den Standort des ehemaligen Backhauses.
  6. Errichtung eines Pavillons hinter dem DGH. Im Zuge des Ausbaus wurde ein Behinderten gerechter Zugang in das DGH geschaffen. Die Pflasterfläche und das umführende Rankgitter wurden aus Spenden finanziert und in Eigenleistung hergestellt.
  7. Umgestaltung und Restaurierung des „Alten Schulsaals“ in ursprünglicher Farb- und Mustergebung der Wände, mit Bordüren aus der Erbauerzeit des Jahres 1904/05. Sanierung des Parkettbodens und der Rundbogenfenster aus Holz sowie die Anschaffung neuer Lampen und Heizkörper waren ebenfalls Teil der Umgestaltung. Die Bestuhlung für 40 Personen, drei Gemälde unseres orteigenen Malers Erwin Schmidt und die Restauration des großen Lutherbildes (Luther vor dem Reichstag zu Worms) wurden mit Spenden der Odenhäuser Bevölkerung, Ortsvereine und den heimischen Banken beschafft. Gleiches gilt für zwei wandhohe Einbauschränke im Nebenraum und für eine Bücherwand.
  8. Umgestaltung der Bushaltestelle, hier gilt es anzumerken, dass die ursprüngliche Ausführung nicht den Vorstellungen der Arbeitskreismitglieder entsprach. Die Arbeitsgruppe hat in 2017 ergänzende Maßnahmen für ein schöneres Erscheinungsbild vorgenommen.
  9. Mit den acht dargestellten Projekten wurde die Dorferneuerung Odenhausen abgeschlossen. Die dargestellten Maßnahmen umfassen jedoch nur den öffentlichen Teil der Dorferneuerung, die mit rund 680.000 Euro zu Buche schlägt. Der Gemeindeanteil davon beträgt 40%, Landesmittel 60%. Die Förderung privater Vorhaben, die nicht unerheblich waren, sind darin nicht enthalten. Bemerkenswert ist, dass man seitens der Landesbehörde einen höheren privaten Anteil gerne gesehen hätte, zumal genügend Fördermittel zur Verfügung standen. Förderfähig war nur der alte Ortskern mit Bauten vor 1954. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, die anfängliche Skepsis vieler Odenhäuser wandelte sich mit fortschreitender Umsetzung der Maßnahmen ins Positive. Eine gewisse Aufbruchstimmung ging durch unser Dorf! Die Spendenbereitschaft vieler Privatpersonen, unserer Ortsvereine und Unternehmen hat alle Erwartungen übertroffen. Durch die Arbeitseinsätze der Arbeitsgruppe, des Arbeitskreises und vielen ehrenamtlichen Helfern gelang es mit viel Herzblut die gestalterische Aufwertung der Einzelprojekte umzusetzen. Der geldwerte Vorteil ist nicht zu beziffern.


Der innere und kulturelle Gewinn durch die Dorferneuerung möge man daran erkennen, dass nach über dreißigjähriger gastronomischer Abstinenz man in geselliger Runde wieder ein Glas Wein oder Bier trinken kann. Ein Bistrowaggon mit Biergarten am Radweg - ein Novum im Lumdatal – ist, mit steigender Beliebtheit, über unsere Gemeindegrenzen hinaus bekannt.


Mit der Restaurierung des Alten Schulsaals wurde eine Begegnungsstätte mit Ausstrahlung und Flair geschaffen. Die Nutzung für kulturelle Veranstaltungen, kleine Familienfeiern oder jeden ersten Freitag im Monat als Bücherstube sind ein weiterer Gewinn für unser Dorf und die Region.


Möge auch in Zukunft der Geist „Altes zu bewahren und Neues zu wagen“ in uns und nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

 

Jürgen Bender, 7.12.2017